Direkt zum Hauptbereich

Walter Scott - Der Abt

Walter Scott - Der Abt



Der historische Roman "Der Abt" bildet die Fortsetzung und den Schluss zu "Das Kloster". Die phantastischen Motive dieses Werkes (die ›weiße Dame‹) führt Walter Scott, der sie sich selbst als Fehler ankreidete, hier nicht fort; statt dessen tritt Maria Stuart während ihrer schottischen Gefangenschaft (1567/68) auf der Burg Loch Leven in Erscheinung, die dort von ihren eigenen schottischen Untertanen festgesetzt wurde, nachdem ihre Königsherrschaft und ihre erotischen Eskapaden das Land an den Rand der Anarchie gebracht hatten. Ihre Gegner sind Anhänger des Reformators John Knox; doch hat sie immer noch starke katholisch gesinnte Clans auf ihrer Seite.

Die Hauptpersonen sind jedoch die jugendlichen Roland Graeme und Katharine Seyton, die in die politisch-religiösen Wirren hineingerissen werden und sich dabei näher kommen. Der Titelfigur, dem Abt, bleibt demgegenüber eine bloße Nebenrolle; Walter Scott, der sich hier als wackerer Protestant gibt, lässt keinen Zweifel daran, dass in Schottland wie in England die Tage des Katholizismus gezählt sind.
Obwohl diese beiden Romane nicht zu Scotts prominenten Werken zählen, sind sie durchaus lesenswert, nicht nur wegen der sie auszeichnenden kulturhistorischen Brillanz (wie im ersten Band gibt es reichhaltige Anmerkungen), sondern auch und gerade wegen ihrer unterhaltenden, abenteuerlichen, ja oft sogar komisch-klamaukhaften Momente (in Band 1 besonders die Verschrobenheiten der Mönche und der groteske »Euphuismus« von Piercie Shafton, in diesem Band der Falkenmeister Adam Woodcock, die kecke Katharine Seyton und nicht zuletzt die verbalen Scharmützel, mit denen Maria Stuart sich ihre Gefangenschaft versüßt).


Beim Text dieser Übersetzung von Friedrich Funck in der Ausgabe von 1851 (zuerst 1841 erschienen) sind Laut- und Zeichenstand gewahrt, einschließlich der damals üblichen orthographischen Inkonsistenzen. Diese herrschten auch bei den Eigennamen; ich versuchte sie hier, wie bei Band 1, möglichst zu vereinheitlichen.



Das Cover fußt auf dem Frontispiz der benutzten deutschen Ausgabe von 1851 und zeigt Katharine Seyton, die junge weibliche Hauptfigur.

(brucewelch)
Erschienen bei ngiyaw eBooks - Zurück zum Autor

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Hermann Stehr - Leonore Griebel

Hermann Stehr - Leonore Griebel

Hermann Stehr verkörpert mit seinem beachtenswerten Frühwerk (1898-1905) eine besondere Spielart des Impressionismus, die den »Naturalismus des Innenlebens« stofflich mit Themen der Heimatkunstbewegung verknüpft. Dies bleibt auch Grundlage der Werke seiner neuromantischen (ab 1909) und »völkischen« (ab 1926) Phase, die nichts mit der »Blut-und-Boden«-Literatur zu tun haben, weshalb der Autor auch vom dogmatischen Nationalsozialismus abgelehnt wird, während der offizielle NS-Staat ihn gleichzeitig als repräsentativen Dichter feiert.

Mit seinem ersten Roman "Leonore Griebel" ist Stehr zweifellos am weitesten in die Moderne vorgestoßen; Alfred Kerr nannte ihn in seiner "Totentanz"-Rezension (1912) "ein dunkles Werk schlesischer Meisterschaft". Hier ist mit äußerster Konsequenz Stehrs mystischer Kosmos derart belebt, dass Dalis malerischer Surrealismus auf literarischer Ebene vorweggenommen scheint. Auch im Stoff trifft das Werk …

Friedrich Schiller - Der Venuswagen

Friedrich Schiller - Der Venuswagen



Wenn wir Schillers Werke nach dem Gedicht »Der Venuswagen« durchblättern, werden wir es kaum finden. Schillers erste Verse sind stets verfemt gewesen. Der Dichter hat sie selbst unterdrückt Dennoch - sie sind gerade für den Anfang des großen künstlerischen Schaffens überaus charakteristisch; ihr Wert ist nicht allein im literarischen Kuriosum zu suchen.
Als Schiller im Dezember 1780 aus der Stuttgarter Militärakademie entlassen wurde, nahm er bei der Witwe eines Hauptmanns, bei Frau Luise Vischer, Wohnung, die wir als die berühmte »Laura« anzunehmen haben. Zu derselben Zeit, als der Verfasser der »Räuber« 1781 seine »Phantasie an Laura« schrieb, muß auch der »Venuswagen« entstanden sein. Beide Gedichte ähneln sich im Pathos und. in der Strophentechnik ungemein. Um einzelne Zeilen kräftiger zu gestalten, verkürzt sie der Dichter, der sonst so sehr auf die geschliffene Form bedacht ist, um zwei Silben. Die Sprache bedient sich noch, berauscht in ihrer s…

Bernardin de Saint-Pierre – Paul und Virginie und Die indische Hütte

Bernardin de Saint-Pierre – Paul und Virginie und Die indische Hütte
In diesem kleinen Werke habe ich mir große Aufgaben gestellt: Ich bemühte mich, einen Boden und eine Pflanzenwelt zu schildern, die von denen Europa's sehr verschieden sind. Unsere Dichter haben ihre Liebenden lange genug am Ufer der Bäche, auf den Wiesen und unter dem Laubdache der Buchen ausruhen lassen. Ich habe sie einmal an das Gestade des Weltmeers, an den Fuß der Felsen, in den Schatten der Cocosbäume, der Bananen und blühenden Citronenbäume versetzt. Es fehlt jener andern Hälfte der Welt nur an Theokriten und Virgilen, um von ihr mindestens eben so anziehende Gemälde zu erhalten, als wir sie von unserm eigenen Lande besitzen. Ich weiß wohl, daß geschmackvolle Reisende uns zauberhafte Schilderungen von mehreren Inseln der Südsee gegeben haben; allein die Sitten ihrer Bewohner und noch mehr die der Europäer, die daselbst landen, gereichen der Landschaft oft zur Unzierde. Ich habe gewünscht, mit der Schönheit…