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Karl Gutzkow - Briefe eines Narren an eine Närrin

Karl Gutzkow - Briefe eines Narren an eine Närrin




"Briefe eines Narren an eine Närrin" (1832) ist der Form nach ein Briefroman, einseitig wie bei Goethes "Werther" - Antworten der Närrin gibt es nicht; dem Inhalt nach ist das Werk jedoch eine Abrechnung mit der Zeit auf Byronsche und/oder Jean-Paulsche Manier, natürlich kräftig jungdeutsch grundiert. Der Stil ist oft sehr assoziativ, und eine "Handlung" zeichnet sich nur in Konturen im Hintergrund ab. Im Vordergrund steht die Kritik der restaurativen Verhältnisse aus der Sicht eines Republikaners. Gutzkow war 20 J., als er die "Narrenbriefe" verfasste, und Wolfgang Menzel, der ihn wenige Jahre später wegen der "Wally" ins Visier des Polizeistaats bringt, hat ihn zu diesem Briefroman geradezu angestiftet.
Mit der Publikation der 'Narrenbriefe' verband sich für Gutzkow eine Grundsatzentscheidung. Seine geplante Heirat machte eine berufliche Absicherung notwendig, die ihm nur noch im Schuldienst möglich schien, nachdem er sich zum Geistlichen definitiv nicht mehr berufen sah. Gleichwohl wollte er seine Tätigkeit als kritischer Schriftsteller und Publizist keineswegs aufgeben. Um die Bedingungen seiner Zukunft in Berlin auszuloten, suchte Gutzkow wohl bald nach seiner Rückkehr Ende April 1832 seinen alten Gönner auf, den inzwischen zum Wirklichen Geheimen Staats- und Justizminister gewordenen Demagogenverfolger Karl Albert von Kamptz. Bei diesem wollte Gutzkow offensichtlich erkunden, ob er sich Chancen auf ein Amt im preußischen Staatsdienst ausrechnen könne und inwieweit ein solches mit einer geistig unabhängigen schriftstellerischen Tätigkeit vereinbar sei. Es scheint, als ob Kamptz von Gutzkow das Versprechen forderte, auf Publikationen kritischen Inhalts zu verzichten, um sich seine Zukunft nicht zu verbauen. Nach einem Monat Bedenkzeit war die Entscheidung gefallen: Gutzkow schickte das Manuskript der Briefe eines Narren an Campe. Er wagte jedoch nicht, bei der Publikation dieses Erstlingswerkes seinen Namen zu nennen; die Entscheidung für eine Beamtenkarriere hatte er noch nicht ausgeschlossen. Das sofortige Verbot des Buches in Preußen bestätigte seine Vorsicht. (z.T. nach dem Kommentar zu den Narrenbriefen im "Editionsprojekt Karl Gutzkow")

Da es sich bei diesem Werk um einen literarhistorisch relevanten Text handelt, sollte auf der Basis der Erstausgabe Zitierfähigkeit garantiert sein. Deshalb sind die Seitenzahlen versteckt im html-Code enthalten; sie können mit geringem Aufwand sichtbar gemacht werden (ggf. mail an die im Copyright genannte Adresse).

(brucewelch)


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