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Robert Kraft - Ein moderner Lederstrumpf

Robert Kraft - Ein moderner Lederstrumpf



Während um die Jahrhundertwende Karl May noch seine Reiseromane schrieb, versuchte eine neue Generation von deutschen Autoren, wie u.a. Walther Kabel und Robert Kraft, den Abenteuerroman zu modernisieren. So haben wir es in "Ein moderner Lederstrumpf", der diese Absicht bereits im Titel verkündet, nicht mehr mit Helden à la Old Shatterhand oder Kara Ben Nemsi zu tun, die ebenso neugierig wie hilfsbereit, aber im Herzen doch chauvinistisch durch die Lande ziehen, oder à la Edgar in Franz Trellers "Verwehte Spuren", der seine verschollene Schwester sucht, sondern mit einem Curt Starke (nomen est omen), der scheinbar um Lohn eine englische Lady wegen einer von dieser eingegangenen Wette begleitet.
"Ein moderner Lederstrumpf" ist ein von Jules Verne beeinflusster Abenteuerroman; neue Verkehrsmittel werden einbezogen; statt "In 80 Tagen um die Welt" soll es allerdings per Fahrrad in 300 Tagen gelingen. Mit dem Radl Indianern auf dem Kriegspfad begegnen - das hat schon was! Verschwörungen, Lebensgefahren, Tote und Verletzte, bis kein Arzt kommt - der Autor lässt es richtig krachen. Man staunt bisweilen ob des naiven Umgangs mit Grausamkeiten. Andererseits zeigt sich Kraft in der Frauenfrage bedeutend lockerer als die meisten seiner Zeitgenossen. Und er lässt uns viele, z.T. freilich haarsträubende Informationen über Land und Leute zukommen.
So schrill und grell, wie Kraft immer schreibt sei es in der "Nobody"- oder in der "Seezigeuner"-Serie), geht es also auch hier zu. Da ist denn Stil zumeist eher reine Glückssache; man muss sich deshalb fast wundern, dass es dieses Buch in den Fehsenfeld-Verlag geschafft hat, wo auch Karl Mays Reiseerzählungen in dieser Zeit erschienen. Und so fragte Karl May 1907 denn auch einigermaßen entsetzt bei dem Verlag an, ob dieser Roman wirklich dort erschienen sei.

Der Text des Werkes erschien zunächst 1902/03 in Fortsetzungen in der Zeitschrift ›Rad-Welt‹. Die erste Buchausgabe mit Bildern von C. Arriens kam 1903 bei der Verlagsanstalt Strauss heraus. Die Reproduktion des Werkes als eBook folgt der zweiten Auflage von 1904 bei Ernst Fehsenfeld, in der die Illustrationen der Erstausgabe (allerdings ohne den Buchdeckel) übernommen wurden; sie sind im eBook einschließlich des neuen Buchdeckels vollständig enthalten.


(brucewelch)


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