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Louise von François - Hellstädt und andere Erzählungen

Louise von François - Hellstädt und andere Erzählungen



"Hellstädt und andere Erzählungen" ist die dritte Novellensammlung, die Louise von François herausgegeben hat. Sie erschien 1874 und umfasste im damaligen Druck knapp 900 Seiten.
Wo eine Fanny Lewald den Wandel der Zeiten ("Wandlungen", 1853; bereits hier in ngiyaw eBooks) überwiegend durch Salonkonversation an den Leser vermittelt, schert sich nach dem Motto "Bilde, Künstler, rede nicht!" François wenig um einen expliziten intellektuellen Diskurs, obgleich auch ihre Figuren sich der Reflexion keineswegs verschließen: sie hingegen kommt gleich zu den elementaren, pragmatischen Problemen der Zeitgenossen, und da geht es stets um Geld, Gut und Vermögenswerte. Hellsichtig analysieren ihre Erzählungen insbesondere den ökonomischen Niedergang des Landadels, der sich in traditioneller Leichtlebigkeit oder aus einer Aversion gegen hinreichendes Kalkül verschuldet und seine Stellung nicht halten kann (die Autorin erweist sich in den juristischen und finanziellen Verfahren übrigens als erfreulich beschlagen, was den echten Realismus ihrer Dichtungen verbürgt). Nur auf bürgerlichen Tugenden wie Arbeit und Sparsamkeit kann auch hier langfristiger Erfolg fußen, wie die Titelgeschichte beweist. "Eine Formalität" zeigt, dass der Mangel an ernsthaftem und ehrlichem Umgang mit den wirtschaftlichen Problemen eine ganze Familie ins Unglück stürzen könnte, wäre da nicht eine beherzte Frau, die rechtzeitig die Reißleine zieht, wie überhaupt die Novellen der François gerne starke Frauen als Handlungsträger vorführen.

Ich freue mich, einen weiteren Band mit verschollenen Novellen dieser bemerkenswerten Autorin in digitaler Form anbieten zu können.

(Die Ausgabe enthält versteckte Seitenzahlen, die sichtbar gemacht werden können; ggfs. eMail an die im Copyright angegebene Adresse.)


(brucewelch)


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