Direkt zum Hauptbereich

Wilkie Collins - Die Frau in Weiß

Wilkie Collins - Die Frau in Weiß





"Die Frau in Weiß", das Meisterwerk des psychologischen viktorianischen Kriminal- und Gesellschaftsromans von Wilkie Collins (1859), wurde zwei Jahre nach der englischen Erstausgabe 1861 in einer ersten deutschen Übersetzung von Marie Scott veröffentlicht.
Es findet sich im Netz, auch in der Arno-Schmidt-Referenzbibliothek, eine weitere Übersetzung des Romans, die 1891 im Verlag Karl Prochaska, Teschen, erschien (ohne Jahr); der Übersetzer blieb - wie man gleich sehen wird: aus guten Gründen - ungenannt. Es handelt sich nämlich auch bei dieser Ausgabe um die Übertragung von Marie Scott, allerdings in ärgerlich redigierter Form; etwa 10% des Textbestandes sind einem (füglich ebenfalls ungenannt bleibenden) literarischen Ignoranten zum Opfer gefallen, der nicht den Schimmer einer Ahnung hat, wie wichtig Wilkie Collins die nonverbalen kommunikativen Beiträge der handelnden Personen sind, und deshalb hier in stumpfsinnigem Fleiß die Schere angesetzt hat. Vor dieser Bearbeitung muss ausdrücklich gewarnt werden.
Deshalb freue ich mich, jetzt hier erstmals wieder die Originalausgabe der Übersetzung von Marie Scott, wie sie 1861 erschien, vorlegen zu können. Die Qualität dieser Übertragung kann sich zwar mit der des großen Arno Schmidt nicht messen, die dieser, ohne Marie Scotts Werk zu kennen, 1953 vorgelegt hatte; aber sie gibt den viktorianischen Charme dieses Buches in seiner Mischung aus Scharfsinn, Satire englischer Verschrobenheiten, Spannung und großem Gefühl gleichwohl nacherlebbar wieder. Das Werk ist viel mehr als ein bloßer "Kriminal"roman. Insbesondere seine genderspezifische Seite ist für den heutigen Leser interessant, dem plastisch vor Augen geführt wird, wie unselbständig, abhängig und eingeschränkt das Leben von Frauen auch gehobener Gesellschaftsschichten um die Mitte des 19. Jh. noch war. Die Lektüre erzeugt noch heute beklemmende Gefühle im Miterleben aller Ungewissheiten, denen Laura und Marianne unterliegen.
Ein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss!


(brucewelch)




Erschienen bei ngiyaw eBooks - Zurück zum Autor

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Hermann Stehr - Leonore Griebel

Hermann Stehr - Leonore Griebel

Hermann Stehr verkörpert mit seinem beachtenswerten Frühwerk (1898-1905) eine besondere Spielart des Impressionismus, die den »Naturalismus des Innenlebens« stofflich mit Themen der Heimatkunstbewegung verknüpft. Dies bleibt auch Grundlage der Werke seiner neuromantischen (ab 1909) und »völkischen« (ab 1926) Phase, die nichts mit der »Blut-und-Boden«-Literatur zu tun haben, weshalb der Autor auch vom dogmatischen Nationalsozialismus abgelehnt wird, während der offizielle NS-Staat ihn gleichzeitig als repräsentativen Dichter feiert.

Mit seinem ersten Roman "Leonore Griebel" ist Stehr zweifellos am weitesten in die Moderne vorgestoßen; Alfred Kerr nannte ihn in seiner "Totentanz"-Rezension (1912) "ein dunkles Werk schlesischer Meisterschaft". Hier ist mit äußerster Konsequenz Stehrs mystischer Kosmos derart belebt, dass Dalis malerischer Surrealismus auf literarischer Ebene vorweggenommen scheint. Auch im Stoff trifft das Werk …

H. G. Wells - Der Luftkrieg

Herbert George Wells - Der Luftkrieg


The War In The Air, Der Luftkrieg, ist ein militärischer Science-Fiction-Roman von H. G. Wells, den er in nur vier Monaten, im Jahre 1907, geschrieben hatte und im Jahre 1908 im Pall Mall Magazine als Fortsetzungs-Roman erschienen war. Der Luftkrieg steht, wie viele Werke von Wells, für seine prophetischen Ideen: hier die Verwendung des Flugzeugs zum Zwecke der Kriegsführung und des Nahens des Ersten Weltkrieges. Der Held des Romans ist Bert Smallways, ein "zukunftsorientierter junger Mann". (Verwendete Quelle: The War In The Air)

Erschienen bei ngiyaw eBooks - Zurück zum Autor

Friedrich Schiller - Der Venuswagen

Friedrich Schiller - Der Venuswagen



Wenn wir Schillers Werke nach dem Gedicht »Der Venuswagen« durchblättern, werden wir es kaum finden. Schillers erste Verse sind stets verfemt gewesen. Der Dichter hat sie selbst unterdrückt Dennoch - sie sind gerade für den Anfang des großen künstlerischen Schaffens überaus charakteristisch; ihr Wert ist nicht allein im literarischen Kuriosum zu suchen.
Als Schiller im Dezember 1780 aus der Stuttgarter Militärakademie entlassen wurde, nahm er bei der Witwe eines Hauptmanns, bei Frau Luise Vischer, Wohnung, die wir als die berühmte »Laura« anzunehmen haben. Zu derselben Zeit, als der Verfasser der »Räuber« 1781 seine »Phantasie an Laura« schrieb, muß auch der »Venuswagen« entstanden sein. Beide Gedichte ähneln sich im Pathos und. in der Strophentechnik ungemein. Um einzelne Zeilen kräftiger zu gestalten, verkürzt sie der Dichter, der sonst so sehr auf die geschliffene Form bedacht ist, um zwei Silben. Die Sprache bedient sich noch, berauscht in ihrer s…