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Heinrich Clauren - Makk

Heinrich Clauren - Makk





H. Clauren, der von Wilhelm Hauff seinerzeit durch Parodie ("Der Mann im Mond") bloßgestellte Unterhaltungsschriftsteller, der mit Werken wie "Mimili" dem Biedermeier-Bedürfnis nach versteckter Schlüpfrigkeit Rechnung trug, ist oft tatsächlich nicht besser als der ihm vorauseilende Ruf, aber bisweilen denn doch. So geht die Fama, dass Poes "Untergang des Hauses Usher" u.a. auf Claurens "Raubschloss" zurückgeht. -
In "Makk" (1825, 240 Seiten. - Das Werk erschien als Erstausgabe, der Vorlage dieses eBooks, in der über lange Jahre überaus erfolgreichen Reihe "Scherz und Ernst".) dagegen werden wir, neben lustspielartigen Heiratsintrigen, wie sie zur biedermeierlichen Unterhaltungsliteratur hinzugehören, und den typisch Clauren’schen Schlüpfrigkeiten (samt "Rosenfinger", "Schwanenhals" und Alabasterbusen") auch verwundert Zeuge der Vorstellung einer ebenso pastoralen wie paternalischen Utopie. Außerdem gibt es auch jede Menge satirische Seitenhiebe gegen die Verlogenheiten und Schrulligkeiten des Landadels, wobei die monarchisch-aristokratischen Verhältnisse an sich und die Rolle der offiziellen Religion von jeder Kritik ausgespart bleiben; vielmehr wird besonders die "allergrößte" Anhänglichkeit des Volkes an seine Herrscherhäuser geradezu als deutsche Tugend postuliert.
Trotzdem liest sich das Ganze ohne Frage wie ein Loblied auf die Verbürgerlichung der Aristokratie, die gut daran täte, sich von überkommenen Standesvorurteilen zu verabschieden - eine Position, die Claurens bürgerliches Publikum zu schätzen wusste, zumal die Argumentation rings um den Begriff der "Ritterlichkeit" den verstockten Teil des Adels mit seinen eigenen Waffen schlägt. Eine besondere Rolle spielt bei diesem Thema auch die Besetzung von wichtigen Staatsämtern, die nach Auffassung des leistungs- und ergebnisorientierten Bürgertums nicht nach "zufälligen Vorzüge[n] der Geburt und des Ranges", sondern nach "wahre[r] persönliche[r] Verdienstlichkeit" (S. 210) erfolgen müsse - wofür der Text dann auch ein Beispiel liefert. - Man sieht: Clauren ist keineswegs lammfromm auf "bloße" Unterhaltung abonniert, sondern bezieht - trotz aller Betulichkeit - durchaus politisch Stellung. -
Die Titel bezieht sich übrigens auf einen scheinbar tollwütigen Hund, der, außer dass er dem Geschehen eine entscheidende Wende verleiht - etwa im Sinne des Heyse’schen »Falken« -, sonst keine Rolle spielt. - Das Cover zeigt zweifelsfrei nicht diese Titelfigur … der Leser wird es vielleicht mit Julie identifizieren, gerne aber auch mit Aurora. Es handelt sich um einen Ausschnitt eines Bildes von E. F. Leybold aus der Entstehungszeit des Textes.

(Das eBook enthält versteckte Seitenziffern, die sichtbar gemacht werden können. Ggfs. eMail an die im Copyright genannte Adresse.)

(brucewelch)


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