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Paul Heyse - Novellen II

Paul Heyse - Novellen II



Der zweite Band der neuen digitalen Novellen-Gesamtausgabe von Paul Heyse (2 von 8 - und Geduld, liebe LeserInnen: alle Texte müssen auf der Basis möglichst der Erstausgaben neu erarbeitet werden - das dauert ein Weilchen!) reproduziert seine fünfte bis achte Sammlung der Novellen [1864 bis 1869], wie Heyse sie selbst herausgegeben hat. In Originaldruck umfassten die 16 Texte ursprünglich 1571 Seiten. -
Eine besondere Geschlossenheit bietet aufgrund des Handlungsortes der erste Teil, die "Meraner Novellen"; die Einbeziehung der Örtlichkeit in das Gefüge der drei Novellen gelingt dem Dichter mit großer Souveränität, besonders in "Der Weinhüter". –
Im zweiten Teil findet man ein Werk, das sich forsch einem Thema widmet, das man bei den großen zeitgenössischen Kollegen vergebens sucht, "Die kleine Mama", von dessen scheinbar betulichem Titel man sich nicht täuschen lassen darf: hier geht es um die Liebe zwischen einem 19jährigen und seiner 29jährigen Pflegemutter. Die Novelle zählt zu den besten des Dichters. – Interessantes Terrain betritt Heyse auch mit "Kleopatra"; hier wird die Agalmatophilie eines Affen zum Bild der erotischen Befangenheit der männlichen Hauptfigur - eine Horrorgeschichte der besonderen Art, die auch wegen ihrer Erzählstrategie Aufmerksamkeit verdient. -
Die Einleitung zu "Die Witwe von Pisa", die auch zu sehr gelungenen Novellen dieser Sammlung zählt, enthält ein klares Bekenntnis des Verfassers zum Idealismus, den ihm später die Naturalisten in kämpferischer Abneigung vorwerfen sollten:

"Ich habe nie eine Figur zeichnen können, die nicht irgend etwas Liebenswürdiges gehabt hätte, vollends nie einen weiblichen Charakter, in den ich nicht bis zu einem gewissen Grade verliebt gewesen wäre. Was mir schon im Leben gleichgültig war, oder gar widerwärtig, warum sollte ich mich in der Poesie damit befassen? Es gibt genug Andere, die es vorziehn, das Häßliche zu malen. Sehe jeder, wie er’s treibe!" 

Gleichwohl haben ihm die Themen des dritten Bandes beim konservativen Bürgertum Äußerungen sittlicher Entrüstung eingetragen, mit der Paul Heyse sich zu Beginn des vierten Bandes äußerst geschickt und ironisch (schon im Titel: "An Frau Toutlemonde") auseinander setzt. Man darf daher den Titel des vierten, "Moralische Novellen", keineswegs als Zurückweichen des liberalen Dichters vor der Konvention verstehen.

(brucewelch)


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