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Stefan Zweig - Silberne Saiten

Stefan Zweig - Silberne Saiten





Der Gedichtband "Silberne Saiten" von Stefan Zweig, sein literarisches Debüt, erschien 1901 (88 Seiten). Über den in romantischer Tradition verfassten Liebes- und Naturgedichten liegt jener Ton müder fin-de-siècle-Melancholie, der auch beim Kollegen Hans Bethge noch nachschwingt, wie auch dessen jugenstilhafte Klänge beim jungen Zweig nicht fehlen.

 "Und es wuchs in mir ein frohes, heißes Beben
 Ich sprang auf, hinein ins volle Leben!"

                     (Aus "Tag und Nacht", S. 61)

Im Vergleich wirken gleichwohl Zweigs erste Gedichte konventioneller als die des frühen Bethge. Dennoch wird der Liebhaber stimmungsvoller Verszeilen auch in diesem schmalen Band durchaus fündig. Ein klares Muss sind sie gewiss für den Freund dieses Dichters, der sich hier mit 20 Jahren nicht zuletzt auch von seiner Jugend verabschiedet:

  "Frohen Herzens bin ich in die Welt gegangen
  Und voll Sonne war mein junger Blick,
  Doch nun kehrt’ ich mit verhärmten Wangen
  Wieder zu der Einsamkeit zurück.

  Und ich sehe wunschbefreit und weise
  In das bunte Schicksalseinerlei,
  Kaum verspür ich’s noch, so leise, leise
  Rinnt an mir die Jugendzeit vorbei.

  Immer werden meine Blicke weiter,
  Selig halt’ ich eine Welt umspannt,
  Denn ich blicke froh und wissensheiter
  In des Lebens unbegrenztes Land."

                         (Aus "Einsamkeit", S. 48)

Die Ausgabe folgt dem Wortlaut der Erstausgabe. Die Schreibung "Rythmus" bzw. "rythmisch" wurde beibehalten; sie erscheint - wenn auch falsch - durchgängig im Text. (Die versteckten Seitenzahlen können wiederum sichtbar gemacht werden; ggfs. eMail an die im Copyright angegebene Adresse. - Das eBook besitzt eingebettete Schriften; bitte bei der Schrifteinstellung berücksichtigen! Lux3 muss z.B. auf Custom geschaltet werden. - Die Wahl im Inhaltsverzeichnis findet über die Seitenziffern statt.)


(brucewelch)


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